So geht Zucht

Alles was mit der Zucht , Inkubation und Aufzucht zu tun hat hier...

Moderator: smoothmac

Beitragvon mamo » Mi 6. Mai 2015, 11:20

Moin,
nachfolgend mal ein Beispiel, was in so einer Zuchtsaison zum ganz alltäglichen Wahnsinn gehört. Rein damit man mal sieht, was auch dazu gehört.

Saison ist in vollem Gange. Hier mal die ersten beiden Gelege dokumentiert.

Verpaarung 1, Kontrahenten zusammen gesetzt, Paarungen, Weib nimmt zeitnahe auf, alles geht seinen gewohnten Gang.

Der Mann hingegen bekommt durch den Stress (anderes Terrarium, Futterpause, Paarungen) einen kleinen weg und fängt an zu rotzen. Also behandeln. Ein Kampf von 8 Wochen, aber er ist dem Tod nochmal von der Schippe gesprungen und heute, 4 Monate danach, wieder fit. Zum Glück.

FYI: Gerade ältere Männer, die viel "gearbeitet" haben, sind sehr empfänglich für solchen Stress. Bei diesen Gelegenheiten wird auch gerne mal abgestiegen. Bedenkt: Setzt ihr Tiere ein, könnt ihr sie verlieren. Gar nicht mal selten. Und ganz sicher nicht nur Weiber. Ich habe über die vergangenen 3 Saison auch 3 Männer verloren. Aufgrund der oben beschriebenen Vorgänge. Nichtsfressen ist Stress (genauso wie fressen), Orts-,/Terrarienwechsel sind Stress, Paarungen sind massiver Stress. Alles zusammen potentiert das Ganze massiv. Und Stress lässt die Systeme gerne kippen. Manchmal schneller als man ahnt. Also setzt eure Männer gezielt ein. Strapaziert sie nicht über. Es geht schneller als man denkt...

Also zurück zu der Verpaarung. Das Weib stammt aus einer Dynastie, aus der auch die Grossmutter, die Mutter und sie selbst bereits Probleme bei/rund um die Eiablage gemacht haben. Zwar keine riesigen (Oma und Mama haben zusammen 5 gute Gelege produziert), es gab aber halt immer mal Problemchen. Die Oma ist mit ihrem 3. Gelege abgestiegen, weil sie die Eier nicht los wurde. Wurde operiert und ist kurz danach verstorben. Die Mutter setzte 2 Gelege ab und liess sich fortan zwar noch verpaaren, nahm aber nicht mehr auf. Die beiden Gelege der Mutter waren gut, hatten aber dennoch locker 1/3 Ausfälle nach Schlupf. Nicht ideal, aber auch nichts, weshalb man eine ganze Linie aussortiert. Das betroffene Weib selbst war insgesamt recht empfindlich (reagierte auf Ortswechsel mit ausstülpen des Darms und gestresstem, rastlosen umherkriechen in ihrem neuen Behälter) brachte aber 2009 ein perfektes Gelege hervor. Ohne Probleme. Ohne grosse Ausfälle nach Schlupf. Heuer ging wieder alles seinen gewohnten Gang. Follikel, Ovulation, PLS und schlussendlich auch Ablage. Wie im Bilderbuch. Pünktlich zum Termin gab es 24 pearly whites, die in den Kocher überführt wurden. Zwar etwas fleckiger beschalt, aber gute Eier. Eigentlich war eine Naturbrut angedacht, das Tier konnte aber nicht alle Eier unter sich versammeln, so dass es unabdingbar war. Also übliche Prozedur. Weib abgewaschen und in eine beheizte Rackbox verbracht, um sie 6h später wieder in ihr ursprüngliches Terrarium zu verbringen. Noch in der ersten Nacht coilte das Tier wieder normal, suchte keine Eier und kontrahierte nicht. Hat man nicht so oft, wenn man den Eigeruch gut abgewaschen hat aber auch keine Seltenheit. In den folgenden 4 Tagen ein völlig normales Tier. Etwas dünner als zuvor, sonst ohne Auffälligkeiten. Keine Effekte, nichts besonderes. So wie man es sich wünscht. An Tag 5 nach der Ablage wurden die Schlingen etwas lockerer. Soweit auch noch nicht bedenklich. Beobachten. Am Folgetag lag das Tier verstorben in seinem Terrarium. Wie die Obduktion ergab ein geplatzer Eileiter, sprich das Tier ist innerlich verblutet. Keine Chance es von aussen zu sehen, keine Chance auf irgendwas zu reagieren, überhaupt keine Chance irgendwas auszurichten. Man ist machtlos. Aber das gehört dazu. Setzt man Tiere ein, kann man sie verlieren.

Sind ja noch 24 Eier da. Die kamen auch vorbildlich durch die Inkubation. Schön aufgegangen, keine Ausfaller, keine Anzeichen für irgendwas. Tag 32 schwitzen, Tag 36 einfallen, alles lebt. Ein Traum. Tag 40 begannen die ersten Eier zu kippen. Bis Tag 49 insgesamt 10. Für den Zeitpunkt total untypisch, zumal auch am Kocher nichts verstellt war, keine Temperaturspitzen, kein Tropfwasser, nix. Ausgefallen halt. Hinnehmen. Öfter mal was neues. Die verbliebenen 14 Eier schafften es bis auf die Zielgerade. Obwohl ich seit 3 Saisons nichts mehr anschneide entschied ich mich an Tag 50 in 2 Eier reinzuschauen, denn das Ganze war trotz massiver Absenkung die letzten Tage etwas fest/trocken geworden und ich war mir sicher, dass es die Nasen nicht selbstständig aus dem Ei schaffen würden. In den beiden geöffneten Eiern befanden sich Neonaten, die zeitlich noch 3-4 Tage brauchen würden. In einem Rückmeldung nach anstupsen mittels Knopfsonde. Phew, es lebt was.... Tags drauf die ersten 3 geschlitzten Eier. Jippie. Abends drauf alles geöffnet und wie immer findet man den Ausschuss als erstes. 3 der Tiere waren schwach pigmentiert und abgestorben. Muss um Tag 40-42 passiert sein, der Farbe nach zu urteilen. Also nur kurz nach dem absterben der ersten 10. 8 weitere waren am leben. Wovon rund um den Schlupf nochmal 4 verstarben.

Endergebnis der Verpaarung: Mann fast tot, Weib mausetot, 20 Eier am Sack. 4 Babies verbleiben.

So geht Chondrozucht.

Teil 2 folgt...
Wayne?!

Grüsse
Markus
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